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Bibellehre

Schawuot und Pfingsten – Bemerkenswerte Ähnlichkeiten

Pfarrer Oscar Lohuis - 31 Mai 2019

Es ist bemerkenswert, wie die Geschichten Israels im Alten Testament durch das, was wir im Neuen Testament lesen, erfüllt werden. Die Ereignisse greifen oft wunderbar ineinander. Der Zusammenhang zwischen 2. Mose 12 (Pessachfest) und dem Tod Jesu (Ostern) ist ein deutliches Beispiel dafür.

Es gibt auch auffallende Parallelen zwischen dem Erhalt des Gesetzes auf dem Berg Sinai (2. Mose 20) und den Ereignissen am ersten Pfingsttag (Apg. 2). Welche Phänomene sind auf dem Berg Sinai und bei der Ausgießung des Heiligen Geistes an diesem ersten Pfingsttag in Jerusalem zu erkennen? Welche Gemeinsamkeiten finden wir?

  1. „Am dritten Tag, im Morgengrauen, begann es zu donnern und zu blitzen. Schwere Wolken lagen über dem Berg und gewaltiger Hörnerschall erklang. Das ganze Volk im Lager begann zu zittern.“ (2. Mose 19,16). Dies deutet auf lautes Rauschen und viel Lärm hin. In Apg. 2,2 lesen wir, dass es auch dort plötzlich ein lautes Geräusch gab: „Und plötzlich kam vom Himmel ein Geräusch wie eine große Windböe, und es erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen“.
  2. „Und der ganze Berg Sinai rauchte, weil der HERR im Feuer auf ihn herabkam.“ (2. Mose 19,18). „Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen.“ (Apg. 2,3).
  3. Mose war auf dem Berg, empfing dort die Worte Gottes und gab sie dann an das Volk weiter. In der Apostelgeschichte steht auch geschrieben, dass die Menschen begannen, das Wort Gottes durch den Geist zu sprechen: „Und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu sprechen, wie es der Geist ihnen gegeben hatte.“ (2,4). „Und sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und sprachen das Wort Gottes mit Freimütigkeit.“ (4,31).
  4. Am Sinai ehelichte der Herr Sein Volk. Auch die messianische Gemeinschaft, diejenigen, die zum Glauben an Jesus als den Messias, den Christus, gekommen und mit dem Heiligen Geist erfüllt worden sind, werden im Neuen Testament als Braut Christi bezeichnet (Lukas 5,34-35; Offenbarung 21,9; Epheser 5,31-32).
  5. Die historische Zeit zwischen dem Exodus (dem zehnten Tag des ersten Monats, 2. Mose 12,3) und der Gesetzgebung auf dem Sinai (Anfang des dritten Monats, 2. Mose 19,1) beträgt sieben Wochen. Es gab fünfzig Tage zwischen 2. Mose 12 und 2. Mose 20. Die Zeitspanne zwischen dem Tod und der Auferstehung Christi und der Ausgießung des Heiligen Geistes ist ebenfalls fünfzig Tage.
  6. Schawuot, auch Wochenfest genannt (Levitikus 23,15-21), ist das Fest des Beginns der Ernte (Levitikus 23,22). Ebenso wird in Apg. 2 damit begonnen, die geistliche Ernte, die Erträge aus den Verdiensten Christi, einzubringen. Das Korn Seines Lebens ist in die Erde gefallen, damit es viele Früchte tragen kann. Von nun an wird die Ernte aus allen Nationen eingeholt und Er ist dabei, das Getreide in der Scheune zu sammeln (vgl. Matthäus 3,12).
  7. Schawuot ist ein Erntefest, aber auch ein Gedenken an das Erhalten des Gesetzes auf dem Berg Sinai. Besonders zur Zeit des Exils, als es nicht mehr möglich war, eine Ernte zu erzielen, nahm im Judentum das Wochenfest diese Bedeutung an. Das christliche Pfingsten ist auch ein Gedenken an den Empfang des Gesetzes im Herzen durch den Heiligen Geist.
  8. Es gibt noch eine bemerkenswerte Parallele. Durch die Gesetzgebung im alten Bund kam es frühzeitig zu einer Tragödie. Bald nach ihrem „Ja“ begingen die Menschen geistlichen Ehebruch in der Anbetung des goldenen Kalbes. Infolgedessen fielen an diesem Tag etwa dreitausend Mann (2. Mose 32,28). Durch den Empfang des Geistes in Apg. 2 wurden an diesem Tag dreitausend Menschen gerettet (Apg. 2,41). Die Tragödie des Sinai wurde umgekehrt. Pfingsten ist somit ein Zeugnis für die Genesung Israels.

Diese Gemeinsamkeiten machen deutlich, dass Pfingsten die Erfüllung des Empfangs des Gesetzes am Sinai ist. Im alten Bund wurde das Gesetz auf Steintafeln geschrieben, im neuen Bund ist das Gesetz im Herzen geschrieben.

Einst hörte ich einen Pfarrer sagen, dass er der Meinung sei, jede Gemeinde sollte zu Pfingsten die Zehn Gebote lesen. Ich habe ihn damals nicht wirklich verstanden. Aber wenn man diese Gemeinsamkeiten sieht, wird einem klar, was er meinte. Die Essenz des Empfangens des Heiligen Geistes ist, dass Heiligkeit in dein Leben kommt. „Ich habe meine Weisung in ihre Mitte gegeben und werde sie auf ihr Herz schreiben.“ (Jeremia 31,33). „Ich will meinen Geist in euer Inneres legen und werde bewirken, dass ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Rechtsbestimmungen befolgt und tut.“ (Hesekiel 36,27).

Übersetzung: Marie-Louise Weissenböck

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