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  • Alina (Team Ukraine) übersetzt die Rede von M.-L. Weissenböck bei der Eröffnung des Denkmals in Bratslav. Links die Gemeindeleiterin der jüdischen Gemeinde.
Reisen

Trost, Begegnung, Buße und Versöhnung – ein Einblick in unsere Reise in die Ukraine

Marie-Louise Weissenböck

Vom 22. bis 29. Juni 2019 besuchte eine Gruppe von fünf Österreichern, drei Deutschen und sechs Teilnehmern aus den Niederlanden Christen an der Seite Israels Ukraine, um an einer Arbeitsreise teilzunehmen.

Die Arbeit von Christen an der Seite Israels Ukraine gestaltet sich etwas anders als dies bei unseren anderen Zweigen in Europa der Fall ist. Der Kommunismus hat seine Arbeit in der ehemaligen UdSSR „gut gemacht“: Jahrzehntelang war es verboten gewesen Religion auszuüben, und so hatten es viele Juden nicht gewagt, ihre Bräuche zu praktizieren und ihre jüdische Identität zu zeigen. Die UdSSR war zudem ein „geschlossenes System“, bei dem die Menschen das Land nicht verlassen konnten. Aber Gott hat das letzte Wort und in der Bibel spricht ER zum Norden: „Gib her“… „Bring meine Söhne von fern her und meine Töchter vom Ende der Erde“ (Jesaja 43,6). Und genau das ist der Auftrag von Christen an der Seite Israels in der Ukraine. Sie helfen aktiv dabei, dass Juden nach Israel heimkehren können, und unterstützen die lokalen jüdischen Gemeinden mit all dem, was sie dringend brauchen. Die Not ist bei vielen Menschen sehr groß.

Unsere Arbeitsreise

Gemeinsam mit Zeitzeugen fuhren wir zu bedeutenden historischen Stätten, wie Babi Yar in Kiev, wo in zwei Tagen 33.771 Juden ermordet worden waren, sowie entlang der „Todesstraße“ von Tultschin zum Konzentrationslager Petschora.

Boris Zabarko, Überlebender und Historiker, erzählt uns von den grausamen Geschehen bei der Schlucht von Babi Yar.

Mit Einheimischen, die zum Teil auch noch Yiddisch sprechen, wanderten wir durch Schtetl und Dörfer und wurden herzlichst von Rabbinern und jüdischen Gemeindeleitern empfangen. Bei der Jewish Agency in Kiev lernten wir mehr über den Prozess der Aliyah. Von Winniza aus fuhren wir einige hundert Kilometer durch die West-Ukraine, um die eigens von uns zusammengestellten Lebensmittelpakete bei Synagogen und jüdischen Gemeindezentren abzuliefern.

In Tultschin entladen wir Essenspakete, die später abgeholt werden.

In den letzten drei Tagen besuchten wir in Kleingruppen Holocaust-Überlebende in ihren Häusern und Wohnungen, verteilten unsere Geschenke, Seifen und Lesebrillen, und durften Trost spenden. Nicht selten wurden wir von den einsamen, betagten Menschen gefragt, ob wir für sie beten könnten. Schon eine Umarmung oder eine liebevolle Geste löste Tränen aus.

Wir besuchen eine Überlebende und bringen ihr Essenspakete.

Die Essenspakete, mit einfachsten Lebensmitteln wie Reis, Nudeln, Salz, Zucker und Öl wurden wie Kostbarkeiten in Empfang genommen.

Enthüllung eines außergewöhnlichen Denkmals in Bratslav

Das Denkmal für Opfer des Holocaust und der Pogrome und für alle Gerechte, die Juden geholfen haben in Bratslav wird enthüllt,

In Bratslav, auch ein ehemaliges Schtetl und der Wirkungsort des berühmten und seines Schülers Nathan, nahmen wir an der Enthüllung eines sehr besonderen Denkmals teil.

Die Bedeutung dieses Denkmals liegt darin, dass es drei verschiedene Gruppen von Menschen im Gedenken vereint: Diejenigen, die im Holocaust ums Leben kamen, jene, die Opfer der Pogrome in der Ukraine waren, sowie die Gerechten aus den Nationen, die ihr Leben riskierten, um Juden zu retten.

Christians for Israel International hat das Denkmal-Projekt finanziell unterstützt und somit bat die Jüdische Gemeinde von Bratslav Koen Carlier (Leiter von Christians for Israel Ukraine), Marie-Louise Weissenböck (Vorsitzende Christen an der Seite Israels in Österreich und Regionale Direktorin Europa) und Anemone Rüger (Projektleiterin für die Patenschaften von Holocaust-Überlebenden) einige Worte an die Anwesenden zu richten. Weitere Redner waren der Rabbiner aus Winniza, der lokale Bezirkshauptmann, der im Namen der katholischen Kirche sprach, ein Historiker und die Leiterin der jüdischen Gemeinde in Bratslav.

Koen Carlier sprach über das Engagement von Christians for Israel International dem jüdischen Volk zur Seite zu stehen und die Arbeit, die er und sein Team seit mehr als zwanzig Jahren in der Ukraine leisten dürfen. Die meisten Europäer hätten wenig Wissen darüber, was in der Ukraine während des Zweiten Weltkriegs geschah, aber da immer mehr Freiwillige aus verschiedenen Ländern im Rahmen einer Arbeitsreise helfen und dabei etwas über die Geschichte des Landes erfahren würden, gebe es Möglichkeiten einander zu begegnen. Ein langsamer Prozess der Versöhnung habe damit begonnen. Er wies darauf hin, dass wir die Vergangenheit nicht ändern können, aber dass wir als Christen aufgerufen seien, für eine bessere Zukunft für das jüdische Volk in der Ukraine und auch weltweit einzustehen.

Anemone Rüger erzählte von einem betagten deutschen Mann, der ihr einen Brief mitgegeben hatte, den sie der Leiterin der jüdischen Gemeinde übergab. Aus einer Familie von NS-Tätern stammend und nicht mehr fähig, selbst in die Ukraine zu reisen, hatte dieser Mann einen Brief geschrieben, um seine Liebe zum jüdischen Volk auszudrücken.

Marie-Louise Weissenböck richtete ihre Ansprache an die jüdische Gemeinde und sprach die sehr dunkle Vergangenheit an, die Österreich mit dem jüdischen Volk hat: Hitler war aus Österreich gekommen und viele Österreicher hätten sich den Nazis angeschlossen. Es gab auch welche, die Widerstand geleistet hatten, aber leider waren derer viel zu wenige.

Im Namen der österreichischen Gruppe bedauerte sie aufrichtig, was Menschen aus Österreich den Juden in der Ukraine und anderswo in Europa angetan hatten.

Heute, in einer Zeit, in der der Antisemitismus wieder sein hässliches Haupt erhebt, gebe es viele Christen in Österreich, die an der Seite des jüdischen Volkes stehen und ihre Stimmen gegen Antisemitismus und Antizionismus und für Israel und das jüdische Volk erheben, sagte sie. Gott hat uns eine zweite Chance gegeben, für die wir zutiefst dankbar sind.

Nach der Rezitation des El Male Rachamim (G“tt voller Erbarmen) enthüllte der Rabbiner von Winniza zusammen mit Koen Carlier, dem Bezirkshauptmann und dem Historiker das Denkmal.

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